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Windenseil aus Kunststoff

Die Entwicklung einer Alternative zu den bisher verwendeten Stahlseilen im Segelflugzeugwindenstart.

 

AeC–Team: Jochen Polsz, Volker Munser, Albert Reiter, Henrik Bieler, Winfried Platen, Michael Roth, Dominik Doll, Frank Neumann, Johannes Rupp, Elke Daniel, Peter Schneider, Heiner Theisinger
Projektleiter: Thilo OTT
Tauwerkfabrik: Lippmann Tauwerk GmbH, Klaus Lippmann, Hamburg, www.lippmann.de
Stand: Januar 2002

 

Der Plan

Der Aero Club Landau will eine Alternative zu den bisher verwendeten Stahlseilen im Segelflugzeugwindenstart finden, um den Windenstart sicherer und leistungsfähiger zu machen.

Die Entwicklung und Fertigung hochfester Kunstfasern hat es ermöglicht, bei vielen Anwendungen den Werkstoff Stahl abzulösen. So haben bestimmte Kunststoffseile bei gleichem Durchmesser eine höhere Bruchlast als Stahlseile. Das Seilgewicht beträgt dabei nur einen Bruchteil. 

Beim Windenstart wird mit dem Flugzeug auch das Seil in die Höhe gezogen. Das bedeutet, dass die Tragflächen einen Teil ihres Auftriebs erzeugen müssen, um das Seil anzuheben. Mit einem leichterem Seil kann das Flugzeug beim Start mehr Höhe gewinnen.

Bei geringerem Seilgewicht und in Folge dessen niedrigerer Flächenbelastung verschiebt sich die Polare des Flugzeugs: Die Mindestgeschwindigkeit, die Geschwindigkeit des geringsten Sinkens und die Geschwindigkeit des besten Gleitens sinken. Bei geringerer Flächenbelastung sinkt damit auch die Gefahr von Strömungsabrissen während des Starts.

Ausserdem wird denkbar, dass längere Seile verwendet werden können. Bisher begrenzt das Seilgewicht des Stahlseils die nutzbare Seillänge, bzw. eine Verlängerung des schweren Stahlseiles führt nur zu einem geringen Höhengewinn.

 

Die Rahmenbedingungen

Die Bauvorschriften für Seilwinden schreiben kein bestimmtes Seilmaterial vor, das Seil muss jedoch ausreichend fest sein. So steht in den vom DAeC veröffentlichen Betriebstüchtigkeitsforderungen für Startwinden in der Fassung vom Juni 1982:

Die Bruchlast des Startwindenseils, einschließlich der Zwischenglieder mit Ausnahme der Sollbruchstelle, muss mindestens dem 1,5-fachen des Höchstgewichtes des zu startenden Luftfahrzeuges betragen.

Die Führungsrollen dürfen nicht weicher als das Seil sein, um zu verhindern, dass das Seil die Rollen einschneidet und verklemmt. Herkömmliche Seilrollen für Stahlseile erfüllen in jedem Fall diese Anforderungen.

Das Seil wird mit bis ca. 120 km/h auf die Seiltrommel gespult. Dabei soll es sich gleichmäßig aufspulen und bei Seilriss, Startunterbrechung etc. möglichst keine Schlaufen auf der Trommel bilden. Ein leichtes, flexibles Kunststoffseil lässt ein völlig anderes Spulverhalten vermuten.

DerWindenfahrer muss in bestimmten Fällen das Seil an der Winde kappen können und damit dem Piloten ermöglichen, mit Seil zu landen. Eine zuverlässig funktionierende Kappvorrichtung ist deshalb zwingend vorgeschrieben. Die Funktionstüchtigkeit der Kappvorrichtung muß bei alternativem Seilmaterial sichergestellt werden.

Neben Sicherheit und Schlepphöhe sind die Kosten ein weiterer wichtiger Faktor.Da der Preis eines Kunststoffseiles über dem von Stahlseil liegt, kommt der Haltbarkeit des Kunststoffseiles folglich große Bedeutung zu. Bei der aktuellen Erprobung steht zunächst die technische Machbarkeit im Vordergrund. Die Untersuchung und Verbesserung der Haltbarkeit des Seils soll jedoch nicht vernachlässigt werden.

 

Realisierung

Auf eine Darstellung der unterschiedlichen Kunstfasern wird hier verzichtet. In Frage kam Polyethylen (UHMWPE = ultra high molecular weight polyetylene), das nach Herstellerangaben geringe Elastizität bis zum Bruch (3,6 %) aber eine hohe Festigkeit und UV-Stabilität besitzt.

Die Suche nach einem Seilhersteller gestaltete sich schwierig. Insbesondere ein amerikanischer Hersteller antwortete trotz wiederholten Versuches nicht auf unsere Anfragen. Schließlich war es möglich, in Deutschland eine innovative Tauwerkfabrik zu finden, deren Inhaber mit uns zusammen ein Seil entwickelte, das den speziellen Anforderungen gerecht werden soll. Es handelt sich dabei um ein speziell vorgerecktes Seil aus Dyneema mit einem dem Zweck angepassten Coating.

Die Lippmann Tauwerk GmbH hat für das Testseil Werte um 20000 N Bruchlast ermittelt. Für die Tauglichkeit als Windenstartseil musste zusätzlich die Festigkeit der Spleißstellen ermittelt werden. Diese Tests hat Albert Reiter (DLR) für den Aero Club Landau durchgeführt. Dabei wurden verschiedene Spleißarten getestet. Der Spleiß, der nunmehr Grundlage für die aktuelle Spleißtechnik bildet, hat dabei eine Bruchlast von 18752 N = 1912,1718 kgf (entspricht ca. 1,9 Tonnen) ergeben.

Die Spleiße sind grundlegend anders als bei Stahlseil, lassen sich aber in vergleichbarer Zeit herstellen.

Jede vermeidbare Reibung muß verhindert werden. An der Winde wurden deshalb die Seiltrommel und die Azimut- sowie die Tragrollen bearbeitet, der Seilkanal wurde komplett erneuert (Jochen Polsz).

Darüber hinaus muss darauf geachtet werden, dass das Seil von Hitzequellen (Auspuff, Krümmer etc.) ferngehalten wird.

Die Kappvorrichtung musste verändert werden. (Volker Munser) Bisherigen Kappvorrichtungen sind für Dyneema nicht geeignet. Ein spannungsfreies Seil wird damit nicht zuverlässig gekappt. Die von uns für Segelflugzeugstartwinden neu entwickelte Kappvorrichtung trennt nun sicher mehrere spannungsfreie Seile gleichzeitig und dies auch mehrfach hintereinander.

 

Erste Ergebnisse der praktischen Erprobung

Am 31.12.2001 wurden bei fast Windstille die ersten Starts mit dem Seil geflogen. Die Bedingungen waren für Segelflug untypisch, für den Seilverschleiß und die Seiltemperatur aber optimal. Auf dem Ebenberg lagen 15 cm Schnee bei – 7 Grad Celsius und 1030 mbar Luftdruck. Das Stahlseil konnte nicht zum Vergleich verwendet werden, weil der höhere Widerstand des Stahlseils am Boden das Ausziehen mit dem Rückholwagen auf der schneeglatten Piste unmöglich machte. Hierbei fiel auf, dass sich das leichte Seil von einer Person ausziehen lies, obwohl schon ca. 1400 m auslagen. Der geringe Widerstand des leichten Seils im Schnee war hier von Nutzen. Wie hoch der Widerstand auf einer Graspiste sein wird, bleibt abzuwarten.

 

An der Winde läuft die Seiltrommel weniger nach, weil sich weniger träge Masse beim Rückholen an der Winde dreht. Das Seil konnte deshalb schneller ausgezogen werden.

Beim Schlepp wurde von den Piloten durchgehend ein ruhiger Schlepp registriert. Das automatische Ausklinken funktionierte problemlos. Es wurde auch der subjektive Eindruck geäußert, dass höhere Schlepphöhen als mit Stahlseil erreicht werden können (max. 680m). Verlässliche Zahlen bringt aber erst der direkte Vergleich mit einem herkömmlichen Stahlseil in einer Testreihe.

 

Bei Starts mit einer 190 kg schweren Ka 8 wird in der Anschleppphase die stärkere Beschleunigung spürbar, wenn der Windenfahrer zügig Gas gibt. Hier spielt ebenfalls die geringere Seilmasse, die nicht mehr axial beschleunigt werden muss, eine Rolle.

Einzelne Piloten berichteten davon, dass sie den Eindruck hatten, das Flugzeug steige in der ersten Phase bis zum Erreichen der Sicherheitshöhe besser. Es wurde der Vergleich mit einem Start bei starkem Gegenwind gezogen.

 

In Bezug auf die Startwinde fällt auf, dass das leichte Seil auf der Strecke zwischen Rollen und Trommel nicht wie ein Stahlseil in Schwingung gerät. Das Seil spult sich ohne Spulvorrichtung gleichmäßig auf. Wenn es von einem hohen Radius auf einen niedrigeren Radius „fällt“ bilden sich - bis jetzt erkennbar - keine Schlaufen.Durch die Variation des effektiven Trommelradius wird in diesen Fällen aber ein Ruck im Flugzeug spürbar. Beim Stahlseil wird dieser Impuls durch die hohe Massenträgheit des Seils gedämpft und ist deshalb weniger spürbar.

 

Der Seildurchhang ist geringer, bei Windenfahrern, die nur nach Seildurchhang die Geschwindigkeit des Flugzeuges ermitteln, besteht deshalb die Gefahr, dass zu langsam geschleppt wird.Der geringere Seildurchhang wirkt sich aber positiv auf den Winkel aus, in dem die Seilkraft auf die Kupplung wirkt.

 


Weitere Ergebnisse wird der direkte loggerdokumentierte Vergleich mit Stahlseil im Frühjahr 2002 bringen. Es können derzeit noch keine Angaben zur Haltbarkeit und wegen der besonderen Wetterbedingungen auch nicht zur Hitzeempfindlichkeit von Dyneema gemacht werden.
 

Fotos: Gisela König, Jürgen Skucek, Uwe Defieber

 

Anregungen, Kritik und Fotos bitte an: otth@aec-landau.de

Zwölf Monate mit einem Dyneema Windenschleppseil

Vortrag von Albert Reiter Berlin 2002

 

1. Warum Kunststoffseil? In vielen Bereichen wurde in den letzten Jahrzehnten der "klassische" Werkstoff Stahl durch Kunststoff ersetzt. Auch im Bereich Seile/ Tauwerk wird heute im Bereich hochfest und leicht fast nur noch mit Kunstfasern gearbeitet.

gereckt
gereckte Faser
geknäuelt
mit amorphen u.
kristallinen Bereichen
2. Auswahl der Fasern
Ausgesucht haben wir nach einer Forderungsmatrix mit den Vorgaben: Hohe Festigkeit, geringe Elastizität, UV-Stabilität und Unempfindlichkeit gegenüber Umwelteinfluß. Übrig blieb letztendlich DYNEEMA, ein hoch gerecktes Polyethylen.
Mit der Firma Lippmann in Hamburg wurde dann das Seil entgültig entwickelt.
Diese Seilspezialisten legten die Anzahl der zu flechtenden Kardeelen, deren Filamentvolumen und damit den Flechtwinkel, und schliesslich das abschliessende Coating fest.
Heraus kam: 12 fach geflochtener Schlauch und einem Seildurchmesser von 4,5 mm. 1000m wiegen 9,2 kp, die Bruchlast entspricht 20000 N.
3. Knoten bzw. Spleißtechnik
Wir haben verschiedene Knoten ausprobiert; ---taugt alles nicht.
Aber:"no problem". Da das Seil eine Schlauch-
konstruktion ist, reicht ein Ineinanderstecken der Enden aus. Damit das Seil ohne Last nicht auseinandergeht, muß das Spleißende vorher ein paar mal durchgeschlauft werden. Das geht ganz fix.Seilgestauchtes Seil
 vor dem Testnach dem Test
Vor - und nach dem Zugtest
 
4. Modifikationen an der Winde
Wir haben die Seiltrommeln abgeschliffen und lackiert sowie die Seileinlaufrollen poliert. (Jede unnötige Reibung vermeiden!)
Notwendige Veränderung: Die Kappvorrichtung.
Die gängige Abschervorrichtung muss man ersetzen.
Ein Dyneemaseil wird lediglich gequetscht. Ein Durchschneiden ist so nicht möglich. Da hilft nur das System Fallmesser auf Ambos, bei uns ein Messingblock. Damit konnten wir auch 3 spannungsfreie, reingeschobe Schleppseile gleichzeitig abhacken!
gekappte Seile
gekappte Seile
5. Erfahrungsstand nach 12 Monaten

a. Seilauszug
Am 31.12.2001 wurden bei Windstille die ersten Starts mit dem Seil geflogen. Die Bedingungen waren für Segelflug untypisch, für den Seilverschleiß und die Seiltemperatur aber optimal. Auf dem Segelfluggelände Landau / Ebenberg lagen 15 cm Schnee bei - 7 Grad Celsius und 1030 mbar Luftdruck.
 

Das Stahlseil konnte nicht zum Vergleich verwendet werden, weil der höhere Widerstand des Stahlseils am Boden das Ausziehen mit dem Rückholwagen auf der glatten Piste unmöglich machte.
Auf dem Gras

 
Hierbei fiel auf, dass sich das leichte Seil von einer Person ausziehen lies, obwohl schon ca. 1200 m auf der Piste lagen. Der geringe Widerstand des Seils im Schnee war hier von Nutzen. Und genau das zeigte sich die ganze Saison; ob trocken oder naß, das Dyneema-seil liegt nicht im Gras sondern auf dem Gras.
Das Widerstandsverhältnis der Seilausziehkraft ist unter allen Bedingungen zwischen Stahlseil und Dyneemaseil proportional. Geschätzter Wert: Ausziehkraft Dyneema-/ Stahlseil ca. 1/3.
b. Handhabung an der Startstelle
Bei uns wird das nicht benötigte Seil aus Sicherheitsgründen an einem im Boden verankerten Haken ca. 20m seitlich ausserhalb der Schlepp-
strecke eingehängt und wird dann von diesem Ort für den 2-ten Schlepp zur Startstelle zurückgeholt. Das leichte Seil ist selbst von unseren ganz "Kleinen" mühelos ausziehbar, vor allem wenn es noch hinterher
ein paar Meter weiter zum Flugzeug gezogen werden muss. Besonders an "Schlammtagen" (...weil die Kiddies unbedingt noch ein paar Schulststarts wollen...) nutzen wir inzwischen nur noch das Kunststoffseil im Einseilbetrieb, da der Lepo trotz doppelter Rückfahrten weniger Wegschäden verursacht als beim Zweiseilbetrieb.
c. Aus der Sicht des Windenfahrers
Beim Seilauszug ist kein Unterschied festzustellen. Beide Trommeln werden bei uns während der Seilauszugphase ganz leicht angebremst. Die Seilauszugsgeschwindigkeit ist wie zuvor: 2-ter Gang mit ca.30 bis 40 km/h, je nach Lepofahrer......
Wir hatten die ganze Saison keinen einzigen Seilsalat, auch wenn der Lepo mal verzögerte oder stark in der Geschwindigkeit schwankte.
Beim Schlepp ist der Unterschied deutlich bemerkbar. Das Dyneemaseil ist subjektiv steifer, als das Stahlseil. Sei es, dass es wirklich steifer ist oder weil es beim Seil anziehen auf der Grasoberfläche "schwimmend" schneller straff wird. Gleich ob Ka 8 oder Twin doppelsitzig, man darf als Windenfahrer nicht einfach "alles auf Laut" stellen, sonst katapultiert es den Kollegen vom Startplatz in die Luft.
 
PE-Seil
PE-Seil

Es ist ganz einfach: Schön gleichmässig beschleunigen. Schon wenn der Segelflieger seine paar Meter Sicherhheitshöhe hat und anfängt zu ziehen ist der Unterschied zum Stahlseil sichtbar: Das Seil ist vom Segler bis zur Winde frei vom Boden.(Beim Stahlseil erfolgt dies erst bei ca.80 bis 100m). An den geringeren Seildurchhang gewöhnt man sich als Windenfahrer schnell.
Der Schlepp selbst ist unproblematisch.
Das Seil oszilliert nicht wie ein Stahlseil zwischen den Einlaufrollen und der Trommel und spult ohne Hilfsmittel problemlos auf. Man merkt ganz deutlich die geringeren Massen, die Winde spult viel ruhiger auf.
 
Stahlseil
Stahlseil

Ausgeklinkt wird wie immer: durch Verringern des Seilzuges. Vergangene Saison haben wir mit dem Seilfallschirm und Vorseil des Stahlseils geschleppt. Dies wäre nicht nötig: man kommt sicher mit einem viel kleineren Fallschirm und damit einem kürzeren Vorseil aus, da die fallende Seilmasse so viel geringer ist. (Von der Firma Friebe/Mannheim haben wir einen kleinen Minibänderschirm zum Testen bekommen. Er ist nun in Arbeit, Ergebnisse gibt es demnächst. Von der Konstruktion ist er o.k., aber bei unseren Prachtexemplaren von Disteln ganz arg gefährdet...) Außerdem ist auch ein Vorseil aus Kunststoff mit steifem Mantel geplant.
Aufspulen des fallenden Seiles: Das Seil fällt ohne den vom Stahlseil her bekannten Peitscheneffekt gerade runter. Wir hatten nie ein Problem damit, aber die grössere Abdrift bei Seitenwind ist real gegeben. Mal sehen wie das mit dem leichteren Vorseil und dem kleineren Schirm wird!
d. Aus der Sicht des Piloten
Das Anschleppen ist "sportlich". Man hat das Gefühl viel schneller die Abhebgeschwindigkeit erreicht zu haben. Der Schlepp selbst ist bis ganz oben absolut ruhig. Die ab und an auftretenden "Rucker" sind spürbar, aber nicht störend. Diese entstehen, wenn das Seil auf der Trommel eine gewisse Höhe aufgebaut hat und dann auf einen kleineren Durchmesser herrunterrutscht. Beim Stahlseil merkt der Pilot nichts davon. Dort wird dieser Effekt durch die hohe Massenträgheit des Seiles kompensiert. Bei Dutzenden von Vergleichsschlepps mit Logger, z.B. beim Schulen in der Ka-13, ergab sich für das ganze Wochenende eine statistisch eindeutig größere Schlepphöhe mit dem Kunststoffseil. Im Mittel so ungefähr 50m mehr. Extreme Höhen wurden mit der Ka-8 erreicht: Der Rekord bei uns liegt jetzt bei 760m. Bei diesem Flug hatten wir endlich mal WNW-Wind. Nicht ganz optimal aber gut. Grundsätzlich hat man das Gefühl, beim Schlepp immer Gegenwind zu haben. Vor allem ganz oben spielt die fehlende Masse vom Seil eine erhebliche Rolle.

   [Email: A.Reiter]  [Email: Firma Lippmann]
 

e. Seilpflege Bis jetzt haben wir noch keine Pflegemaßnahmen, wie nachcoaten durchgeführt(dies ist tatsächlich möglich!). Nur, und das ist wichtig: Nach dem letzten Schlepp des Tages wird das Kunststoffseil ganz entspannt, d.h. so weit wie möglich ausgezogen und dann mit ganz geringer Last wieder eingezogen.(Einfach ein Autoreifen ans Seilende und damit wieder einziehen.) Dies ist notwendig, weil die statische Last im Seil über längere Zeit ein "Fließen" verursachen würde. Das Seil würde dadurch länger und auch dünner. Da flutschen irgendwelche Kohlenstoffmolekülketten in Längsrichtung an einander vorbei, um in kommodere Lage zu kommen, immer im Bestreben die hohe Last zu vermindern...
 
Verschleiß: Bis jetzt gab es weder einen Seilsalat, noch einen Seilriß. Das Seil sieht direkt hinter dem Spleiß an der Stahlöse, die am Seilfallschirm eingehängt wird, ein bisschen zerschunden aus. Handhabungsbedingt. Aber wir reparieren diese Stelle bewußt noch nicht, jedenfalls nicht bis zum nächstes Frühjahr.Die letzten Meter Seil auf der Trommel, die praktisch, bis jetzt noch ungenutzt waren - die Platzverlängerung Richtung Osten konnte leider noch nicht realisiert werden - haben inzwischen einen rechteckigen Querschnitt. Sie sehen aber sonst noch gut aus.
Sobald sich irgendwo, aus egal welchem Grund, eine Notwendigkeit ergibt, ein Stück Seil herauszuschneiden, so wird dieses in der Prüfmaschine auf die Restfestigkeit untersucht. Nach meiner Einschätzung hat das Seil noch einige Jahre vor sich...
Da der Preis eines Kunststoffseiles über dem von Stahlseil liegt, ist es wünschenswert, dass das Seil der Dauerhaftigkeit von Stahlseil zumindest nahe kommt. Letztlich ist dies aber eine Frage der Kosten eines Windenstarts. Hierbei müssen Vorteile und Mehrkosten in einem vernünftigen Verhältnis zueinander stehen. Vorliegend stand die technische Machbarkeit im Vordergrund. Maßnahmen zur Verbesserung der Haltbarkeit des Seils werden wir in den Wintermonaten,d.h. demnächst, mit dem Seilhersteller erörtern.
Alle diese Erfahrungen werden von uns auf unserer Internetseite aktuell eingestellt werden. 6. Ausblick Das Kunststoffseil hat Zukunft.
Beim Stahlseil ist ab ca.1600m Länge Schluss mit mehr Ausklinkhöhe, da das Seilgewicht die Flächenbelastung des Segelflugzeuges überstrapaziert. Wir können uns (z.B. auf den Plätzen wie Klix oder Neustadt-Glewe - in den Neuen Bundesländern) mit 2500m Durchmesser/Länge, Schlepps mit solch langen Seilen vorstellen. Es werden dann Ausklinkhöhen von 1000m und mehr erreichbar sein. Wird dies dann ein DMST-Problem? Wir werden im kommenden Frühjahr mit "Seil was auf der Trommel Platz hat" und einigermaßen Wetter versuchen, auf einem geeigneten Platz (z.B.Pferdsfeld) mal an die Grenzen des Machbaren zu gehen. Die Linkenheimer bauen gerade eine neue Superwinde, oder aber wenn von Euch jemand da konstruktiv mitmachen will; bitte melden. Wir sind zu allen Cooperationen bereit, wenn diese helfen, unsere Visionen zu realisieren.

PE-Seil auf der Trommel


Und da ist noch viel Potenzial drin...
Autor: Albert Reiter

FAQ - Dyneema Windenseil

Frage 1 Ist das Seil bereits zugelassen ?

Antwort 1 Die Zulassung erfolgt im Rahmen der Jahresnachprüfung der Winde. Dafür muss die Winde samt Seil den Windenbauvorschriften entsprechen. Dies ist grundsätzlich unproblematisch, da das Seil eine höhere Bruchlast als Stahlseil erreicht und bedingt durch das geringere Gewicht die Leistungsfähigkeit der Winde insgesamt steigt. Im Falle der Landauer Winde wurde das Betriebshandbuch um eine Seite erweitert, in der die baulichen Veränderungen und die Änderungen im Flugbetrieb beschrieben sind.

 

Frage 2 Welche Umbauten müssen an der Winde vorgenommen werden ?(z.B. Kappvorrichtung)

Antwort 2 An der Winde muss sichergestellt sein, dass 2 Seile zuverlässig gekappt werden. Außerdem sollten alle Teile, die mit dem Seil in Berührung kommen ( Rollen, Seilkanal, Trommel) glatt sein, um unnötigen Verschleiß zu verhindern. Laut Bauvorschrift muss auch das Vorseil samt Schirm (ohne Sollbruchstellen!) mindestens so stark wie das Seil sein. Das bedeutet, dass auch das Vorseil aus Dyneema hergestellt sein sollte.

 

Frage 3 Welchen Einfluss hat z.B. Sand, der kleben bleibt oder Schlamm auf das Seil ?

Antwort 3 Der Aero-Club hatte bisher keine Probleme mit Sand oder Schlamm, da das Seil selbst sehr dicht ist und Verschmutzungen in der Regel während des Schlepps entfernt werden. Feuchtigkeit schadet dem Seil nicht.

 

Frage 4 Wie kann man das Dehnungsverhalten im Vergleich zum Drahtseil beschreiben ?

Antwort 4 Das Seil wirkt beim Start "härter" als das Stahlseil, da zum einen ein gedrehtes Seil, wie Stahlseil bauartbedingte Elastizität hat und zum anderen kaum noch Seildurchhang besteht, der dämpft.

 

Frage 5 Wie ist das Seil zu spleißen ?

Antwort 5 Das Seil ist ein geflochtener Schlauch. Die Seilenden werden in das jeweils andere Seil(schlauch)stück gesteckt. Unter Last zieht sich der Schlauch zusammen und stellt so die Verbindung her. Die Enden verschwinden vollständig im Seil. Es gibt keine herausstehenden Seilenden. Einzelheiten können der Spleißanleitung entnommen werden.

 

Frage 6 Wie sieht es mit dem Verschleiß des Seiles und damit der Lebensdauer aus ?

Antwort 6 Bisher wurden ca. 1000 Starts ohne Seilriss gemacht. Sollte das Seil reißen, wird das beanspruchte Seilstück herausgetrennt. Die Teile des Seils, die nicht unter Last auf die Trommel gespult werden weisen kaum Verschleiß auf.

 

Frage 7 Wird das Seil durch das "schleifen" über den Boden nicht schnell zerstört ?

Antwort 7 Bedingt durch das geringe Gewicht ist der Anpressdruck des Seiles auf dem Boden gering. Damit auch die Reibung und der Verschleiß am Boden. Die eigentliche Belastung für das Seil liegt beim Aufspulen unter Last auf der Trommel.

 

Frage 8 Welchen Vorteil hat das Seil beim eigentlichen Schleppvorgang ?

Antwort 8 Das Flugzeug hebt früher ab. Es steigt wegen der geringeren Flächenbelastung bei gleichem Anstellwinkel besser. Der Schlepp ist insgesamt ruhiger. Die Gefahr von Seilrissen sinkt wegen der höheren Bruchlast.

 

Frage 9 Gibt es andere Kunststoffseile (z.B. Ummantelte) ?

Antwort 9 Die Flugschule Oerlinghausen erprobt ein Kunststoffseil mit Ummantelung. Dieses Seil ist bei gleicher Bruchlast dicker und schwerer.

 

Frage 10 Wir haben eine Kuppe auf der Startbahn. Ist der Verschleiß an dieser Stelle nicht besonders groß ?

Antwort 10 Der Verschleiß am Boden ist geringer als bei Stahl. (siehe oben)

 

Frage 11 Wie sieht das mit dem Seilausziehen aus ?

Antwort 11 Seilausziehen wird einfacher, da ein wesentlich geringerer Widerstand überwunden werden muss. Außerdem wird die Masse der drehenden Trommel geringer, weshalb weniger Seilsalat zu befürchten ist.

 

Frage 12 Was ist mit dem Fallschirm ?

Antwort 12 Der Fallschirm kann wesentlich kleiner und leichter werden. Laut SBO kann bei einem Durchmesser des Schirms unter 1,5 m das Zwischenseil weggelassen werden.

 

Frage 13 Wie bekommt man den Haken an das Seil ?

Antwort 13 Das Seil wird 2 mal durch das Loch gesteckt und dann das Ende wieder in das Seil, wie beim Verbinden zweier Seilenden. Der Spliss wird danach mit selbstverschweißendem Isolierband geschützt. Genaueres in der Anleitung.

 

Frage 14 Wie befestigt man das Seil auf der Trommel ?

Antwort 14 Am besten wird das Seil um die Achse geführt und wie unter 13. gespleisst.

 

Frage 15 Wie viel mehr Höhe kann man mit der Hoistline erreichen ?

Antwort 15 Das hängt vom Flugzeuggewicht und der Seillänge ab. Allgemein gilt: Je länger die Schleppstrecke und je leichter das Flugzeug umso größer ist der Höhengewinn. Bei der doppelsitzigen Ka13 des AeC Landau liegt der Höhengewinn um 50 Meter.

 

Frage 16 Braucht man ein Vorseil. Wenn ja was für eins ?

Antwort 16 Das Seilgeschirr muss gemäß SBO ausgeführt sein. Außerdem muss es mindestens so viel Bruchlast wie das Hauptseil haben.

 

Frage 17 Gibt es Probleme bei der gemischten Verwendung von Stahl und Kunststoffseilen auf einer Winde?

Antwort 17 Es muss besonders darauf geachtet werden, dass die Seile nicht übereinander liegen. Laut SBO müssen nicht verwendete Seile an der Startstelle festgemacht werden. Bitte schickt uns Eure Erfahrungen mit dem Kunststoffseil. Wir werden diese Beiträge sammeln und auf dieser Seite veröffentlichen.
 
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